Elefantenunfälle

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Ereignen sich viele Unfälle mit Elefanten?

Es vergeht kein Jahr ohne dass sich nicht einige schwere Unfälle mit Elefanten ereignen.
Allein aus den europäischen und nordamerikanischen Zoos und Zirkussen kommt jährlich die Nachricht von 3 bis 4 toten Elefantenpflegern. Dazu kommen einige schwer verletzte Elefantenpfleger und Zirkusleuten, die aus physischen oder psychischen Gründen, nicht mehr mit Elefanten arbeiten können.

Unfall Zirkus Krone

Wo geschahen Unfälle?

10.10.2007 Ein Elefant hat eine Mitarbeiterin des Moskauer Zoos getötet. Beim Verladung eines Elefantenweibchens in ein Spezialfahrzeug für den Transport nach Spanien aus Unvorsichtigkeit eine Mitarbeiterin des Zoos gestorben, die viele Jahre mit diesem Tier gearbeitet hat.

Im Tiergarten Schönnbrunn Wien tötet der junge Bulle Abu, am 20.2.2005, seinen langjährigen Pfleger bei der täglichen Morgendusche.

Im Frühjahr 2001 wurde ein Elefantenpfleger im Zoo von Chester von einer Elefantenkuh getötet, als er die Elefanten aus dem Stall ins Aussengehege führte.

Im Basler Zoo verletzte ein junger Elefant nach einer Operation seinen Pfleger schwer. Der Elefantenpfleger konnte sein Leben retten, indem er sich in den Abtrenngraben fallen lies.

Im Sommer 2001 wurde in einem tschechischen Zoo ein Elefantenpfleger von einer Elefantenkuh getötet, als er während einer medizinischen Behandlung über eine Fusskette stolperte.

Im Zoo von London wurde im Herbst 2001 ein erfahrener Elefantenpfleger von einer Elefantenkuh getötet, als er aus unbekannten Gründen im Aussengehege zu Boden stürzte.

Warum kommt es immer wieder zu Unfällen?

  • So besteht ein riesiges Kräftegefälle zwischen Elefant und Mensch. Auf der einen Seite der massige Elefant und auf der anderen Seite der relativ schwache und zerbrechliche Mensch.
  • Ein weiterer Grund liegt in der hierarchischen Struktur einer Elefantengruppe. Der Elefantenpfleger muss sich seine Alphastellung unter den Elefanten erarbeiten und immer wieder bestätigen.
  • Die Musth der Elefantenbullen wird unterschätzt oder zu spät erkannt

Geht einem Unfall immer ein Angriff voraus?

Ein Missverständnis zwischen Mensch und Elefant kann, ohne böse Absicht, fatale Folgen mit sich ziehen. Um einen klassischen Unfall, der auch auf einem Bauernhof oder in einem Pferdestall geschehen kann, handelt es sich, wenn Mensch und Tier zusammen durch eine schmale Türöffnung gehen wollen. Was bei einem Unfall mit Pferden oder Kühen mit Glück vielleicht nur Knochenbrüche mit sich zieht, endet bei einem ähnlichen Unfall mit Elefanten ziemlich sicher tödlich.

Gibt es auch bösartige Angriffe?

Neben den unglücklichen Missverständnissen, gibt es aber auch bösartige Attacken der Elefanten gegen ihre Betreuer. Der hierarchische Gruppenaufbau zwischen den Elefanten sorgt immer wieder für Rangeleien und Kämpfen zwischen den Tieren.

Da die Elefanten ihre Pfleger ebenfalls als einen Elefanten betrachten, muss der Elefantenpfleger seine Position innerhalb der Gruppe immer wieder von neuem bestätigen und ausbauen.

Angriff einer Elefantenkuh

Wie können Attacken vermieden werden?

Nur wen die Elefanten genügend Respekt vor ihren Pfleger haben, werden sie seine Stellung in der Hierarchie akzeptieren.
Den Respekt aber auch das Vertrauen der Elefanten gewinnt der Elefantenpfleger durch eine gute Dressur und einem konsequenten Umgang mit den Tieren.

Wieso kann es trotzdem zu Angriffen kommen?

Junge, pubertierende Elefanten, Machtkämpfe innerhalb des Pflegerteams oder der Elefantengruppe und neue Pfleger "stören" die gefestigte Sozialstruktur.
Aus dieser Unsicherheit heraus können neue Konflikte entstehen, die zu tragischen Unfällen führen können.

Sind Elefanten doch gefährlich?

Es gibt aber auch immer wieder Unfälle aus "heiterem Himmel". Ohne Vorwarnung oder ersichtlichem Grund, greift ein, bis zu diesem Zeitpunkt, zuverlässiger und vertrauter Elefant seinen Pfleger an.

Nach solchen Attacken sind alle Beteiligten schockiert und suchen nach einer Begründung für das "Fehlverhalten" des Elefanten.
Oft heisst es dann: Der Elefant hat aus unbekannten Gründen "durchgedreht". Was aber der Grund für den Angriff war wird in der Regel ein Geheimnis bleiben.

Vielleicht ist für einen kurzen Moment wieder das Wildtier im Elefanten zum Durchbruch gekommen. Das macht die Elefanten, trotz aller Dressur und Vertrautheit mit ihren Pflegern in Zoos und Zirkussen, zu sehr gefährlich Tieren.

Was macht Elefantenbullen gefährlich?

Das Phänomen der Musth wird bei Elefantenbullen oft unterschätzt. Manche Bullen werden aggressiv bevor die äusseren Musthmerkmale sichtbar sind.
Der sicherste Bullenstall ist dann nutzlos, wenn die Sicherheitsmassnahmen noch nicht eingebaut sind.

Vielfach wird der eigene vertraute Bulle auch unterschätzt und verharmlost. Oft kann man von erfahrenen Elefantenpflegern hören: "Mein Bulle macht mir nichts. Ich habe ihn unter Kontrolle!"
Dies kann ein fataler Trugschluss sein.

Und die jungen Elefantenbullen?

Zu einem Unfallverursacher können auch jungen Elefantenbullen werden, die noch zusammen mit den Elefantenkühen im direktem Kontakt (free contact) zu den Pflegern leben.
Eigentlich sollte der junge Bulle bereits in einen anderen Zoo leben. Es ist aber vielfach sehr schwer einen guten neuen Platz für junge Bullen zu finden. Die meisten Zoos können aus baulichen und/oder finanziellen Gründen nur einen Bullen halten.

Wann kommt die erste Musth?

Es ist aber gut möglich, dass bei einem jungen Bullen bereits im Alter von ca. 7 Jahren die ersten Symptome der Musth auftreten. Das bedeutet, dass bis zu diesem Alter ein junger Elefantenbulle an einen Bullenstall gewohnt sein und sich ohne direkten Kontakt zu den Elefantenpfleger im Protecetd Contact managen lassen sollte.

Kommt es häufig zu Unfällen mit Bullen?

Als vor einigen Jahren Elefantenbullen noch in Zirkussen auftraten und in Zoos wie Elefantenkühe gehalten wurden, waren Unfälle mit Bullen sehr häufig und vorprogrammiert.
Heute sind solche Unfälle, da wo das Sicherheitskonzept funktioniert, zum Glück seltener.

Was passiert mit "bösen" Elefanten?

Traurig sind Unfälle für Mensch und Tier. Vielfach werden Elefanten die ihren Pfleger umbringen oder schwer verletzten auch getötet. Dies weil das Vertrauen in den Elefanten zerstört ist.
Ein Elefant der einen Pfleger tötete, kann vielleicht bei einem nächsten Konflikt wieder seinen Elefantenpfleger verletzen oder umbringen.

Der Elefantenbulle Ziggy aus dem Zoo Chicago wurde nach dem Angriff auf seinen Pfleger, der die Attacke mit viel Glück überlebte, 30 Jahre lang nur noch im Innenstall des Elefantenhauses gehalten. Niemand traute sich mehr Ziggy in die Aussenanlage zu führen. 1975 starb der Bulle nach einem Sturz in den Abtrenngraben.

Elefantenbulle Ziggy

Wie ereigneten sich die letzten schweren Unfälle?

Wie unerwartet sich Unfälle mit Elefanten ereignen können, zeigen auch die Pressetexte zu den letzten tragischen Unfällen:

Unfall im Zoo Dresden - Elefantenbulle verletzt Pfleger - Notoperation 27.3.2010

Am Samstag, den 27. März 2010 ereignete sich gegen 17.30 Uhr ein Unfall auf der Elefantenanlage des Dresdner Zoos. Der vierjährige Elefantenbulle Thabo-Umasai griff aus zur Zeit noch unklaren Gründen einen seiner Pfleger an. Die beiden diensthabenden Elefantenpfleger wollten die Elefanten wie jeden Tag zu Dienstschluss in die Innenanlage bringen. Während dieses routinemäßigen Ablaufes griff Thabo-Umasai einen der Pfleger am Rande des Badebeckens an. Obwohl der zweite Pfleger sofort zu Hilfe kam, wurden beide ins Badebecken gedrängt. Einer der Pfleger wurde verletzt. Mit Hilfe von Zoogästen konnten die Pfleger auf der Besucherseite das Becken verlassen. Für dieses beherzte Eingreifen möchte sich die Zooleitung an dieser Stelle herzlich bedanken. Der verletzte Pfleger wurde sofort medizinisch grundversorgt und im Krankenhaus notoperiert. Weitere Infomationen zu diesem Unfall bei der http://www.elefanten-schutz-europa.de/Unfallproblem/Dresden.html

Elefantenbulle verletzt Pfleger schwer 10.03.2007

Ein Elefantenbulle hat im mecklenburgischen Platschow einen 22-jährigen Pfleger angegriffen und schwer verletzt.
Der Vorfall ereignete sich in der Dickhäuteranlage der Zirkusfamilie Francello, wie der Betreiber des Elefantenhofes und Vater des Verletzten, Sonni Francello, mitteilte. Sein Sohn habe das Gehege zur täglichen Reinigung und Fütterung betreten. Was danach genau passierte, konnte Francello zunächst nicht sagen.

Möglicherweise habe das brünftige, viereinhalb Tonnen schwere Tier eine Attacke gestartet und seinen Sohn dabei gegen die Wand gedrückt, sagte Francello. «Ich weiss nur so viel, dass mein Sohn schwere innere Verletzungen erlitt und sich in kritischem Zustand befindet.»

Die Francellos haben sich vor einigen Jahren in Platschow mit ihren Dickhäutern niedergelassen. Seither wurde der Elefantenhof zu einem Touristenmagneten, der auch Elefanten-Showeinlagen bietet. So gibt es Sonderveranstaltungen wie etwa Tauziehen gegen Elefanten oder Elefantenfussballspiele.

Zu solchen Auftritten seien allerdings nur Elefantenkühe und Jungtiere eingesetzt worden, versicherte Francello. Der Bulle, der seinen Sohn angefallen habe, sei dagegen nur zur Zucht eingestallt. Das jetzige Unglück sei einmalig in der langen Tradition der Zirkusfamilie.

Tiergarten Schönbrunn Wien 20.2.2005
Tragischer Unfall im Elefantenhaus

Am Sonntag, den 20. Februar, wurde der Revierleiter des Elefantenhauses, der 39-jährige Gerd Kohl, gegen 10.40 Uhr vom jungen Elefantenbullen „Abu“ angegriffen und tödlich verletzt. Gerd Kohl galt als einer der erfahrensten Elefantenpfleger Europas und war daher auch jener Pfleger, der den knapp vierjährigen Abu (geboren am 25. April 2001) seit seiner Geburt im Tiergarten betreute und trainierte.

Der Unfall geschah während der täglichen Morgendusche der Elefanten. Der 1,6 Tonnen schwere Abu wurde unerwartet aggressiv, drückte Gerd Kohl an die Wand und verletzte ihn mit den Stoßzähnen so schwer, dass jede Hilfe zu spät kam. Der Jungbulle befindet sich derzeit in der „Halbstarken“-Phase. In dieser Zeit werden die Bullen von ihrer Mutter entwöhnt und durch ihren persönlichen Trainer auf die weitere Pflege im sogenannten „geschützten Kontakt“ („protected contact“) vorbereitet. „Geschützter Kontakt“ bedeutet, dass die Pfleger niemals unmittelbaren Kontakt mit dem Elefanten haben. Die Pflege, das Training und anderes geschieht aus Sicherheitsgründen immer auf Distanz.

Press release 20 February 2003
Elephant keeper killed


Wednesday morning the 19th of February 2003 one of the elephant keepers at Safari Beekse Bergen, Hilvarenbeek, the Netherlands was injured badly by an elephant during his daily work. He was immediately taken to the nearby hospital where he died late that evening. Keepers, staff, management and director have sent their deepest condolences to the family.
During the daily training routine, where four keepers work with the five female African elephants of the park, one of them gave the keeper a blow with the head. As the keeper thereafter stumbled and fell, the elephant attacked him with head and feet. Two other keepers were able to removed their injured colleague from the stable whilst the third phoned for the ambulance. Within 20 minutes the injured keeper was in the hospital.
During Wednesdays' training nothing abnormal was noticed which could be responsible for the sudden deviated behaviour of the elephant. Parks management has installed an inquiry after the cause of the incident and the labour inspection authorities have been informed. For keepers and others staff members trauma therapists are available. The elephants will remain in the indoor enclosures for the time being and public will have no access there.

Pittsburgh Tribune Review
Cause may never be known
Tuesday, November 19, 2002


It might never be known what caused a normally docile female elephant to kill an experienced handler. The 20-year-old elephant knocked down and pinned handler Michael Gatti to the ground with its head. The U.S. Department of Agriculture, which licenses zoos, will investigate, spokesman Jim Rogers said. Females, who lead elephant herds, generally are more easygoing and eager to please than males, experts say. Professional elephant handlers at zoos a cross the country expressed shock and sorrow over Gatti's death. "It's a close-knit community and a close-knit group," said Don Winstel, assistant director of the Columbus Zoo in Ohio and a former elephant handler. Elephants put Winstel in the hospital twice during his career. Mike Keele, assistant director of the Oregon Zoo and a former elephant handler, was attacked by a female elephant 23 years ago. Jane Ballantine, spokeswoman for the American Zoo & Aquarium Association, describes elephant handler as "an extremely dangerous job." "You're working with wild animals. They're unpredictable. The people who are with them all the time can read their behavior. But anything can happen that sends them in a direction that you might not want to see." Handlers use two methods to command elephants: free contact and protected contact, Ballantine said. The Pittsburgh Zoo uses free contact, in which the handlers have direct physical contact with the elephants. Protected contact means a barrier exists between the keeper and the elephant.

Schwarz - Weiss Fotos aus Büchern der European Elefant Group
Farbfoto aus "Der Spiegel" Nr. 44/28.10.02 Angriff eines Elefanten auf Pfleger im Zoo von Los Angeles (Seite 169)



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