Schon in den Gräbern der Etrusker gehörten
Elfenbeinschnitzereien zum
modischen Inventar. Die grenzenlose Renommiersucht der Römer führte
gar dazu, dass Caligula seinem Lieblingspferd einen Stall aus Elfenbein
schenkte. Da der Zirkus und die Armee im alten Rom Elefanten herdenweise
gebrauchten, wurden die Tiere in Nordafrika und Syrien bereits im Altertum
ausgerottet. Danach kam das Elfenbein jahrhundertelang fast ausschliesslich
aus Indien, und heute leben nur noch etwa 40 000 asiatische
Elefanten.
Die Tiere im schwer zugänglichen Innern Afrikas genossen
eine Galgenfrist. Erst ab dem 18. Jahrhundert drangen Sklavenhändler
immer tiefer in den Schwarzen Kontinent ein und luden den versklavten
Negern auf dem Marsch zur Küste Elfenbein auf den Rücken. Dennoch
schien Afrikas Elefantenreichtum lange Zeit unermesslich. Bis 1970 das
grosse Schlachten einsetzte. Im Zuge politischer Wirren kamen damals viele
automatische Waffen in den Schwarzen Kontinent, und marodierende Soldaten,
Guerillas und Wilderer richteten ihre Gewehre auch auf Elefanten.
Ab Mitte der siebziger Jahre wurden Jahr für Jahr um die
70 000 Elefanten geschossen. Gab es 1978 im Tschad noch 15 000
Elefanten, waren wenig später nicht einmal mehr 3000 übrig.
In Uganda, Kenya, Tansania und Sambia gingen ebenfalls über 80 Prozent
der Bestände verloren. Die Elefantenpopulation Afrikas verringerte
sich zwischen 1979 und 1989 von 1 340 000 auf 610 000. Dafür stiegen
die Elfenbeinexporte aus Afrika von 200 Tonnen im Jahr 1950 auf gegen
1000 Tonnen jährlich in den Achtzigern. Gleichzeitig explodierten
die Preise. Kostete ein Kilogramm 1969 noch 5,5 Dollar, wurden 1989 bis
zu 150 Dollar bezahlt.
Neben den Liebhabern von Schmuck und exotischen Souvenirs waren auch
Musiker am Stosszahn der Elefanten interessiert: Schotten brauchen das
Material für die Gelenke am Dudelsack; Pianisten spielen am liebsten
auf Tasten aus Elfenbein. In Indien und Hongkong werden Elfenbeintafeln
mit pornographischen Malereien hergestellt, und in Japan ist der Hanko
aus Elfenbein - das persönliche Handsiegel - noch immer allgegenwärtig.
Der Elfenbeinboom dezimierte die Elefantenbestände
nicht nur, er hatte auch eine verheerende Wirkung auf die Altersstruktur
der Herden. Weil Stosszähne
lebenslang weiterwachsen, tragen die ältesten Tiere die grössten
Exemplare. Daher sind sie die bevorzugten Opfer der Jäger und Wilderer.
Früher stiess man in Afrika noch auf Prachtexemplare mit 90 Kilogramm
schweren Stosszähnen, heute wiegen die grössten weniger als
50 Kilogramm. Alte Elefanten aber sind wegen ihrer Erfahrung für
die Herde überlebenswichtig. Wird eine Herde angegriffen, sind es
immer die Alten, die zum Angriff blasen oder die Flucht einleiten. Und
wird das Wasser knapp, führt
die Leitkuh ihre Schützlinge zum weit entfernten Wasserloch, wo sie
vielleicht vor einem Dutzend Jahren schon einmal Rettung fand.
Erst 1989 wurde das grausame Geschäft mit dem Elfenbein
gestoppt, als endlich auch der Afrikanische Elefant im Rahmen
des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) unter internationalen
Schutz gestellt wurde. Fortan war jeglicher Handel mit einzelnen Tieren
oder Teilen davon verboten. Der verbesserte Schutz liess die Bestände
mancherorts bald schon wieder anwachsen. So vermehrten sich in Kenya die
Elefantenherden seit 1989 um 30 Prozent.
Aber die erfolgreiche Kampagne hatte auch unerwünschte Nebeneffekte:
In etlichen afrikanischen Regionen gibt es heute wieder zu viele Elefanten.
Vor allem in den Tierreservaten betragen die jährlichen Zuwachsraten
bis zu fünf Prozent, was für eine Population bedeutet, dass
sie sich innert 14 Jahren verdoppelt. Elefanten-Übervölkerung
kann verheerende ökologische Auswirkungen haben. Das zeigte sich
in Kenyas Tsavo-Nationalpark, wo sich Ende der sechziger Jahre 40 000
Elefanten tummelten.
Elefanten sind schlechte Futterverwerter; sie vertilgen
innert 24 Stunden bis zu 300 Kilogramm frische Pflanzen und spülen
mit 140 Liter Wasser nach. Und wenn sie Lust auf die Blätter in den
Baumkronen haben, reissen sie kurzerhand Bäume aus. Im Tsavo ruinierten
Elefantenherden nach und nach Busch und Grasland und schälten mit
den Stosszähnen schliesslich auch noch die uralten Baobab-Bäume.
Während die Parkbehörden verzweifelt nach Rettungsmassnahmen
suchten, brachte schliesslich die Natur selbst die Lösung: Eine grosse
Dürre liess 9000 Elefanten verhungern. Allerdings gingen auch zahlreiche
genügsame Nashörner zugrunde, denen die masslosen Elefanten
die letzte Nahrung weggefressen hatten.
Mittlerweile hat sich in den noch immer übervölkerten
Nationalparks Südafrikas und Simbabwes das Culling eingebürgert.
Berufsjäger nehmen vom Helikopter aus eine Elefantenherde ins Visier
und schicken mit Narkosepfeilen ein Tier nach dem andern zu Boden. Dann
fahren die Kollegen am Boden zu den wehrlosen Kreaturen und jagen ihnen
aus nächster Nähe eine Patrone ins Hirn. Weil Überlebende,
die sich an das Massaker erinnern, zu gefährlichen Menschenhassern
werden, muss beim Culling die ganze Herde umgebracht werden. 1992 wurden
allein in Simbabwe 2000 Elefanten auf diese Weise umgebracht. Nur kleine
Jumbos werden gelegentlich verschont und an einen Zoo verkauft, wo sie
ihr Kindheitstrauma hoffentlich bald vergessen. Neuestens versucht man
gelegentlich aber auch, sämtliche Tiere einer Herde zu betäuben
und in elefantenarme Gebiete zu transportieren.
Elefanten werden in Parks zum Ökoproblem, weil sie nicht
weiterziehen können, wenn die Ressourcen knapp werden. 80
Prozent aller Dickhäuter leben aber ausserhalb von Reservaten, wo
sie zwar nicht das natürliche Gleichgewicht, aber die Interessen
der Menschen stören. Im Norden Kameruns terrorisierte 1993 eine Riesenherde
von 900 Elefanten monatelang mehrere Ortschaften, plünderte 1700
Hektaren Getreide und Baumwolle und stürzte über 2000 Familien
in Hunger und Armut. Sobald die Elefanten in den Feldern auftauchten,
versuchten die Bauern mit Stöcken und Trommeln die Tiere zu verscheuchen.
Die Dickhäuter liessen sich jedoch nicht beeindrucken. Und wenn sie
einen Menschen mit dem Rüssel
packen konnten, warfen sie den Unglücklichen meterweit in die
Luft und knackten anschliessend mit dem Fuss
seinen Schädel wie eine Kokosnuss.
Ähnliche Konflikte sind in letzter Zeit in verschiedenen afrikanischen
Ländern ausgebrochen. Der Grund: Die Menschen haben im Laufe der
Jahrzehnte ihre Felder dort gepflanzt, wo Elefanten früher ungestört
grasen konnten. Manche Felder liegen just auf den traditionellen Tierwechseln
zwischen einzelnen Futtergebieten. Und weil Feuchtgebiete für den
Getreideanbau trocken gelegt wurden, müssen die Elefanten jetzt weit
gehen, um Wasser zu finden.
Wie man den Elefanten vom Schädling zum Nützling machen
kann, zeigt Simbabwes Campfire-Programm. Die lokale Bevölkerung
soll vom Wildreichtum profitieren, ohne die natürlichen Bestände
langfristig zu gefährden. Ein halbes Prozent der Elefantenpopulation
wird jährlich für die Grosswildjagd freigegeben. Mit den Abschussgebühren,
die bis zu 12 000 Dollar pro Tier betragen, können die Gemeinden
nun Schulen, Spitäler, Wasser- und Stromversorgung finanzieren. Das
Fleisch der Kolosse wird an die Bevölkerung verteilt; die Elefantenhaut
kommt als gesuchtes Produkt in den Lederhandel.
Auch das verfemte Elfenbein hat mittlerweile legalen Status zurückerhalten:
1997 erlaubte CITES den elefantenreichen Ländern Botswana, Namibia
und Simbabwe wieder den Export in beschränkten Mengen. Und wo Elefanten
mit Farmern im Krieg stehen, werden Felder eingezäunt, oder man nimmt
Landumverteilungen vor und achtet darauf, dass die Tiere verlorengegangenen
Lebensraum zurückerhalten.